Inhalt



Denkmalschutz und Denkmalpflege in Aachen

Panorama der Stadt Aachen

Denkmalschutz und Denkmalpflege haben in der Stadt Aachen eine lange Tradition. Das Bewusstsein der Aachener Bürger um die historische Bedeutung ihrer Stadt hat tiefe Wurzeln.

Nach dem 2. Weltkrieg waren von ehemals 14.000 Häusern der Stadt 43% vollkommen zerstört und weitere 40% mehr oder weniger beschädigt. Von 68 Kirchen und Kapellen der Stadt wurden 25 vernichtet, 43 waren schwer beschädigt. Von 11 Torbogen des äußeren Mauergürtels existierten, ebenfalls stark getroffen, nur noch das Marschier- und Ponttor. Die Stadt Aachen erlebte insgesamt 74 Luftangriffe; in den Jahren 1941 bis 1944 erfolgten 5 folgenschwere Großangriffe in der Stadt.

Das altehrwürdige Rathaus hatte den Anblick einer traurigen Ruine. Die wenigen noch erhaltenen mittelalterlichen Wohnbauten wurden Opfer des Krieges. Bauten der Couven-Zeit und des Klassizismus sanken in Schutt und Asche. Ganze Straßenzüge Burtscheids, so beispielsweise die Burtscheider Hauptstraße mit ihren malerischen Giebelhäuschen, waren bis auf wenige Bauten verschwunden. Vom ehemaligen Krämerviertel in der Nähe des Aachener Domes blieb nur wenig erhalten.

Von den Bauten des Laurenz Mefferdatis blieb allein die Fassade des Hauses Königstraße 22 übrig. Die zahlreichen Ehrenhöfe und Patrizierhäuser, ehemals im Innern der Stadt schwanden, mit Ausnahme des Hauses Heusch in der Jakobstraße, dahin. Bedeutende Couven-Bauten fielen dem Krieg zum Opfer, so z.B. das Haus des Bürgermeisters Wespien in der Kleinmarschierstraße. Von den prächtigen Gartenhäusern des Baumeisters Johann Josef Couven blieb allein der auf dem Lousberg wieder aufgebaute Kersten‘sche Pavillon erhalten. Die bedeutenden spätbarocken Werke seines Sohnes Jakob Couven reduzierten sich auf das Haus Monheim, das vor gänzlicher Zerstörung bewahrt blieb.

Von den Bauten des Adam Franz Friedrich Leydel blieben die Fassade des Hauses Büchel 34, das Gebäude Theaterstraße 67 und der stark beschädigte Rundtempel auf dem Lousberg erhalten. Der von Johann Peter Cremer geschaffene Elisenbrunnen und das Regierungsgebäude waren stark beschädigt bzw. zum größten Teil ausgebrannt. Das von Cremer errichtete Theater sowie das Hauptzollamt hatten schwere Kriegsschäden.

Couven-Museum (c) Stadt Aachen / Andreas Herrmann

Bedeutende Adelssitze vor den Toren der Stadt, wie beispielsweise die frühere Wasserburg "Bodenhof", das von Mefferdatis errichtete Landgut "Eich" und der in das 14. Jahrhundert zurückreichende "Kirberichshof" wurden Opfer der Fliegerbomben.

Von den zahlreichen Brunnen und Standbildern blieben nur wenige, wie beispielsweise der "Wehrhafte Schmied" und die durch Leydel geschaffene "Hotmannspief" übrig.

Der Wiederaufbau Aachens begann bereits am 01. November 1944, als die neue Verwaltung ihre Tätigkeit aufnahm. Hierbei hat die Aachener Bürgerschaft den kulturellen und wirtschaftlichen Aufbau der Stadt wesentlich mitgestaltet. Von den ehemals mehr als 160.000 Bewohnern der Stadt waren zum Ende des Krieges gerade noch etwa 11.000 anwesend. Nachdem die Verwaltung wieder arbeitete, wurde in kurzer Zeit die Stadt wieder bevölkert. In den Monaten Juni/Juli 1945 hatte die wöchentliche Rückwanderung mit 5.000 Personen ihren höchsten Stand erreicht. Ende 1948 lebten bereits wieder ca. 126.000 Menschen in Aachen. Nach der Wiederbeschaffung von Hausrat und anderen Dingen des täglichen Bedarfs galt die größte Sorge der Schaffung von Wohnraum. Tausende Menschen lebten in Notunterkünften oder Bunkern. Mit unglaublicher Energie und in großer Schnelligkeit wurde entschuttet, aufgeräumt und wieder hergerichtet. Eindrucksvoll belegen "Berichte über die Verwaltung der Stadt Aachen in der Zeit vom November 1944 bis Oktober 1954", die "Geschichte Aachens in Daten"  und Tagebücher des Baudezernates über die Zeit des Wiederaufbaus, die Broschüre "Sanierung im Schatten des Rathauses" das Aachener Baugeschehen in dieser Zeit. Namen wie Hans Königs, Prof. Dr. Pirlet, Prof. Dr. Ing. Wilhelm K. Fischer und Dr. Ing. Leo Hugot sind unvergesslich mit dieser Zeit verbunden und nur stellvertretend für viele andere genannt.

Bereits im Januar 1945 präsentierte das Bauamt VII der Stadt, Abteilung Denkmalpflege und -schutz, einen Bericht über den Zustand der wichtigsten Baudenkmale im Stadtkreis Aachen. Im Jahre 1949 wurde dem Planungsamt der Stadt durch die Denkmalpflege eine umfangreiche Bestandsaufnahme von geschichtlich bemerkenswerten alten Häusern in Aachen vorgelegt mit dem Hinweis, auf die Erhaltung dieser Bauten tunlichst Rücksicht zu nehmen.

Fassaden Oppenhoffallee (c) Stadt Aachen / Andreas Herrmann

Zeitungsberichte der Nachkriegszeit belegen die unermüdlichen Aktivitäten der Restaurierung und des Wiederaufbaus dieser Zeit. In den 60er Jahren ist die Zahl der Gebäude, die als Baudenkmale zu betrachten sind, schon erheblich gewachsen und auf weitere Objekte, wie beispielsweise auf Herrensitze und Gehöfte, auf Schulen, Fabrikgebäude, u.a. ausgedehnt.

Die Stadt Aachen  erhält in den 70er und 80er Jahren in Landes- und Bundeswettbewerben erste und zweite Preise sowie besondere Auszeichnungen für ihre denkmalpflegerische Arbeit. 

In der Folge beschäftigt sich die Denkmalpflege nunmehr, neben zahlreichen bedeutenden Einzelprojekten, mit Bauten aus der Zeit der 20er, der 30-40er und der 50er Jahre. ECA-Siedlung, Aachen-Beverau, die Siedlungen "In den Heimgärten", Königshügel u.a. sind Themen denkmalpflegerischer Arbeit und Bausteine einer wachsenden Denkmalliste. In den 70er Jahren entstehen in Zusammenarbeit mit der Stadt Aachen Denkmälerverzeichnisse des Landeskonservators, welche die spätere Grundlage für das Denkmalschutzgesetz und eine rechtlich neu geordnete Denkmalpflege des Landes sind. Diese Verzeichnisse, die im Jahre 1980 ff im Denkmalschutzgesetz NRW ihren Niederschlag finden, geben bereits das breite Spektrum Aachener Baudenkmäler wieder. Von den Resten der karolingischen Kaiserpfalz des 8. Jahrhunderts, dem beinahe vollständig erhaltenen Granusturm und der Pfalzkapelle des Aachener Domes, bis hin zum neuzeitlichen Denkmal des Aachener Klinikums ist, wie kaum in einer anderen Stadt, eine Vielfalt an unterschiedlichen Denkmälern vorhanden. Hierzu gehören u.a. neben Dom und Rathaus, weitere kirchliche und profane Denkmäler, Stadt- und Grenzbefestigungen, Bauten für Regierung, Verwaltung, Post, Polizei und Justiz, Krankenhäuser, Schulen, Gebäude der Technischen Hochschulen, Museen, Theater ebenso wie Fabriken, einzelne Schornsteine, Gärten, Parks, Alleen, Friedhöfe, Hügelgräber, Grenzsteine, Wegekreuze und Bildstöcke. Insgesamt sind ca. 3.600 Gebäude und Bauteile als Bau- oder Bodendenkmäler in die städtische Denkmalliste eingetragen. Hierzu gehören glücklicherweise sowohl Zeugnisse der "alten Baumeister" als auch der jüngeren Architektur. Es gilt weitere 500 Objekte so bald wie möglich einzutragen und sie somit wirksam zu schützen.

Die erhaltenen und teilweise auch translozierten historischen Gebäude bzw. Gebäudeteile sind ein bedeutender Teil der Vielfältigkeit unserer gestalteten Stadt. Die Individualität einer historischen Stadt wie Aachen ist sicher nicht annähernd in dem Maß und nicht in der Art und Weise auf dem Reißbrett zu erzeugen. Die vielschichtige Dimension des im Laufe der Jahrhunderte Gebauten und Gewachsenen  ist nicht künstlich zu erzielen. Die Denkmalpflege, die an Problemen der Sanierung der gebauten Umgebung mitwirkt, fühlt sich nicht ausschließlich dem Bereich der "schönen Künste" zugehörig und verantwortlich. Sie erkennt den Wert der Denkmäler und Baustrukturen vergangener Zeiten nicht nur im ästhetischen, sondern auch im sozialen Bereich, in der Wirksamkeit auf die persönliche und gemeinschaftliche Lebenswelt der Menschen.

Jüngsten Umfragen zu Folge, halten die Bürgerinnen und Bürger in Nordrhein-Westfalen Denkmalschutz und Denkmalpflege für wichtig. Streit in der Denkmalpflege ist selten. Denkmalpflege schafft und erhält vor allen Dingen hochqualifizierte Arbeitsplätze in Industrie, Handel und besonders im Gewerbe. Arbeitsplätze in der Denkmalpflege schonen Ressourcen und sind arbeitsintensiv. Im Jahre 2001 hat die Abteilung Denkmalpflege Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen in der Größenordnung von mehr als 20 Mio DM abgestimmt und denkmalpflegerisch betreut.

Selbstverständlich wirkt sich Denkmalpflege auch auf den Fremdenverkehr aus. Die große Zahl alljährlicher Touristen genießen die besondere Atmosphäre dieser Stadt und sind auf der Suche nach bauhistorischen Spuren der Vergangenheit. Was wäre Aachen ohne seine Denkmäler?