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Irene Ludwig vermacht der Stadt Aachen zahlreiche Kunstwerke / 30.03.2011

Im Rahmen einer Pressekonferenz im Aachener Rathaus wurde am heutigen Mittwoch bekannt gegeben, was Professor Dr. Irene Ludwig der Stadt Aachen in ihrem Testament hinterlassen hat. „Am 28. November des vergangenen Jahres verstarb unsere Ehrenbürgerin Irene Ludwig, deren herausragende Verdienste um die Förderung von Kunst und Künstlern, Museen und kulturellen Institutionen in Aachen wir dankend würdigen“, betonte Oberbürgermeister Marcel Philipp. „Sie und ihr Mann Peter Ludwig haben die zwei Häuser mit dem Namen Ludwig in Aachen, das Ludwig Forum für internationale Kunst und das Suermondt-Ludwig- Museum, bereits mit vielen Schenkungen bedacht. Auch der Sitz der Stiftung Ludwig befindet sich in Aachen, wo das Ehepaar seinen Lebensmittelpunkt hatte“, erklärte Philipp, der das Vermächtnis der Ludwigs als „großes Pfund für die Kunstwelt“ würdigte. Die Stadt habe im Vorfeld keinen Zweifel daran gehabt, dass sich das große Engagement des Ehepaars für ihre Heimat Aachen auch im Testament von Irene Ludwig niederschlägt und zukünftig Bedeutung für die Stadt haben wird. „Mit der Vielzahl der Werke, die Irene Ludwig uns übertragen hat, haben wir allerdings nicht gerechnet“, betonte Philipp, der in der vergangenen Woche Kenntnis von den Verfügungen erhielt.

In ihrem Testament hatte Irene Ludwig unter anderem festgelegt, dass der Stadt Aachen insgesamt 47 Positionen hinterlassen werden. 37 Werke davon gehen an das Suermondt-Ludwig- Museum und 10 Positionen an das Couven-Museum, das ihr stets besonders am Herzen lag. Die testamentarische Verfügung beinhaltet wertvolle Glas- und Tafelgemälde des späten Mittelalters ebenso wie preziöse antike Keramikobjekte, einzigartige mittelalterliche Holz- und Steinskulpturen, ausgezeichnete Werke des Kunstgewerbes, Möbel des 18. und 19. Jahrhunderts sowie diverse Einrichtungsgegenstände der gehobenen Wohnkultur des Barock und Rokoko.

„Unter den Gemälden ist besonders die „Anbetung der Könige“ des Kölner Malers „Meister der Verherrlichung“ hervorzuheben sowie ein wichtiges Kreuzigungsbild, das um 1380 von einem Kölner oder mittelrheinischen Meister geschaffen wurde“, erklärte Peter van den Brink, Direktor der Aachener Museen. Weiter sei das ikonographisch und künstlerisch herausragende Holztafelgemälde mit dem Thema „Ars bene Moriendi“ (Die Kunst des guten Sterbens) vom anonymen „Meister des Sinzinger Kalvarienberges“ anzuführen. „Ein ganz besonderes Objekt aus der alten Sammlung Monheim ist eine kleine Tafel mit einer thronenden Muttergottes mit Kind. Es stammt aus der unmittelbaren Nachfolge des Brügger Meisters Hans Memling“, erklärte van den Brink. Dieses Werk hat einen besonders sentimentalen Hintergrund, denn die junge Irene Monheim sollt das Gemälde in ihrem Rucksack aus dem bombenbedrohten Aachen gerettet haben. Ebenso bedeutend sind die mittelalterlichen Stein- und Holzskulpturen, wie das steinerne Bildwerk mit der Szene „Anna lehrt Maria das Lesen und Schreiben“ aus Frankreich oder das seltene und außergewöhnlich kunstvoll geschnitzte Leuchterweibchen mit Hirschgeweih vom Zürchersee.

„Alle Kunstgegenstände aus dem Vermächtnis stehen seit Jahrzehnten in den Schausammlungen des Suermondt-Ludwig-Museums und des Couven-Museums an der Seite der bereits 1977 gestifteten 193 Kunstwerke sowie weiteren Leihgaben aus dem Privat- und Stiftungsbesitz“, erklärte Walter Queins, geschäftsführender Vorstand der Peter und Irene Ludwig Stiftung. Nach Offenlegung des Testaments wird die Schenkung am 7. April dem Kulturausschuss vorgestellt und muss dann im Mai vom Rat formal angenommen werden. „Sämtliche Werke sind in einem hervorragenden Zustand, mit Ausnahme des Gemäldes „Anbetung der Könige“ des Kölner Malers Meister der Verherrlichung. Dieses kann aufgrund seiner Fragilität nicht transportiert werden“, so der  zuständige Restaurator Michael Rief.

„Wir sind Irene Ludwig sehr dankbar für dieses außergewöhnliche Vermächtnis, dessen Wert sich kaum beziffern lässt. Er liegt zwischen 15 und 20 Millionen Euro“, betonte Peter van den Brink. Stadtdirektor Wolfgang Rombey unterstrich die Bedeutung der Schenkungen für die Aachener Kunstwelt. „Die Tatsache, dass das Ludwig Forum nicht im Testament bedacht wurde resultiert daraus, dass dieses Haus bereits seit 1987 durch Schenkungen, Leihgaben und finanzielle Zuwendungen mit einer Vielzahl von Werken bedacht worden ist. Die bestehenden Leihverträge sichern darüber hinaus die ständige Verfügbarkeit der international bedeutenden Werke in diesem Haus“, erklärten Rombey und Queins. Der derzeitige Vertrag beinhalte unter anderem eine jährliche Zahlung der Stiftung in Höhe von mindestens 75 000 Euro für den Ausstellungsetat sowie die Überlassung von 2383 Dauerleihgaben  - zu denen zählen unter anderen 96 Werken des Malers Georg Baselitz, das Fotoobjekt „Eurasier“ des Aktionskünstlers Joseph Beuys und Don Eddys „Horsiery, handbags and shoes“.  

„Es ist nun die Aufgabe der Stadt Aachen, das Andenken an Irene Ludwig und die Dankbarkeit für ihr Vermächtnis in der Ausrichtung und Ausstattung der beiden großen Ludwig-Museen in unserer Stadt einfließen zu lassen und positiv zu würdigen. Der Name Ludwig lebt in Aachen weiter“, betonte Philipp. „Wir legen großen Wert darauf, die komplette Schenkung in nächster Zeit mit einer angemessenen, eigenen Ausstellung zu würdigen“, ergänzte Peter van den Brink.