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Och herm, wie reden die denn hier?

Du bist gerade umgezogen, hast Dich umgemeldet, Abschiedsfeiern und elterliche Umarmungen hinter Dich gebracht und bist nun bereit, Aachen zu Deinem neuen Zuhause zu machen. Doch, och herm, Du verstehst die Öcher manchmal gar nicht? Keine Sorge, deshalb gibt’s hier ein bisschen Abhilfe.

Och herm heißt so viel wie „Achje, schade, oje, ach Mensch“ und drückt Mitleid und/oder Anteilnahme aus. Besonders lustig findest Du bestimmt au banan! und au huur!, die je nach Situation Erstaunen, Missfallen oder Hochachtung zeigen und einen Menschen als schräge Type bezeichnen können: „Du bist mir ‘n au banan!“. Au huur ist ein bisschen ordinärer als au banan, jedoch werden beide Begriffe im Aachener Dialekt, dem Öcher Platt, auch heute noch hinreichend benutzt.

 

Münsterplatz © Andreas Herrmann
Der Öcher liebt seine Altstadt - so wie hier den Münsterplatz. © Andreas Herrmann

Was ist ein Öcher?
Der Öcher (ausgesprochen Öscher) ist ein Aachener Jung oder Mädel, „dem sein Herz an Oche hängen tut“, wie es auf Öcher Platt so schön heißt. Der Öcher an sich ist heimatverbunden, beschwert sich zwar überall über das schlechte Wetter, kann aber nicht ohne es. Alemannia Aachen und Karneval sind des Öchers liebste Beschäftigungen. Im Umgang mit anderen Menschen ist er äußerst herzlich und vor allem neugierig. Des Öchers Herz ist groß und neuem aufgeschlossen. Häufig trifft man den Öcher in der Aachener Altstadt an, denn hier fühlt er sich am wohlsten. Er liebt die Überschaubarkeit und Zentralität Aachens: Der Öcher findet es hier einfach schön!

 

Klenkes © Andreas Herrmann
Aachener Traditionsgruß: das Emporrecken des kleinen Fingers der rechten Hand. © Andreas Herrmann

Was ist ein Klenkes?
Das Emporrecken des kleinen Fingers der rechten Hand ist Aachener Traditionsgruß. Die Grenzregion um Aachen war seit dem Mittelalter für seine Tuchindustrie bekannt. Damit verbunden siedelten sich ebenso viele Nadelfabriken in der Region an. Arbeiter, die in den Fabriken für das Aussortieren – oder Ausklinken –  defekter Nadeln an den Bändern zuständig waren, benutzten hierzu den kleinen Finger der rechten Hand: Den Klenkes. Dies führte bei den Fabrikarbeitern, meist Kindern, zu Fehlstellungen und Wuchsfehlern, wodurch das Merkmal schnell zum Erkennungszeichen der Aachener wurde. Der Klenkes ist im Denkmal des Aachener Bildhauers Hubert Löneke am Holzgraben (Nähe Elisenbrunnen) verewigt.

 

Bahkauv © Andreas Herrmann
Wer schaut denn da so grimmig drein? © Andreas Herrmann

Was ist das Bahkauv?
Das was? Genau, das Bahkauv. Das eiserne Fabelwesen, das am Büchel Touristen Fragezeichen in die Augen malt! Einer Sage nach trieb ein „Bachkalb“ in der alten Kur- und Badestadt Aachen sein Unwesen und fiel betrunkene Nachtschwärmer an, indem es ihnen auf den Rücken sprang und ihnen zusätzlich das Geld aus den Hosentaschen klaute. Der ursprüngliche Brunnen wurde 1904 aufgestellt; dem Fabelwesen sprudelte damals noch das Wasser aus dem Mund. Während des zweiten Weltkrieges wurde das Bahkauv wie so viele andere Denkmäler eingeschmolzen, um erst 1967 wieder am Büchel zu erscheinen, jedoch als sehr viel modernere und abstraktere Version. Heute sprudelt das Wasser aus dem Schweif des Mischwesens aus Raubkatze und Echse, während es grimmig Touristen und Feierwütige anstarrt.

 

WEttersäule © Willi Leisten Lorent
Sach, wie wird das Wetter heute? © Willi Leisten-Lorent

Wie funktioniert die Wettersäule?
Ein aufmerksamer Neu-Öcher hat es vielleicht schon bemerkt, das seltsame Stahlgebilde auf dem Verwaltungsgebäude am Hauptbahnhof. Nachts beginnt die in Deutschland einmalige Wettersäule zu leuchten und wissende Öcher legen ihre Sachen für den nächsten Tag zurecht: Seit 1958 ist sie die verlässliche Wettervorhersage Aachens. Ihr Schaft zeigt steigende, fallende oder konstant bleibende Temperaturen durch die Lichtbewegung an, während die Farben der Kugel je nach Wetterlage wechseln. Gern gesehen wird hierbei blaues Licht, das heiteres Wetter oder kleinere Wolken vorhersagt. Auch goldgelb, bewölkt ohne Niederschlag, provoziert beim Öcher ein Lächeln, während weißes Licht Regen oder Schnee bedeutet. Wer es genau wissen möchte:

Der Schaft:

  • Aufsteigendes Licht: Die Temperatur steigt
  • Fallendes Licht: Die Temperatur fällt
  • Konstantes Licht: Die Temperatur bleibt gleich

Die Kugel:

  • Blaues Licht: heiter bis wolkig und trocken
  • Gelbes Licht: bedeckt bis bewölkt, ohne Niederschlag
  • Weißes Licht: Niederschläge, Regen oder Schnee
  • Dauerlicht: beständiges Wetter
  • Blinkendes Licht: unbeständiges Wetter

 

Und so hört sich das "Unaussprechliche" an!