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Quartiersmanagement über „Stadtteilkonferenzen“ und „Stadtteilbüros“

Stadtviertel mit besonderen HerausforderungenDer Sozialentwicklungsplan der Stadt Aachen hat gezeigt, dass – wie auch in vielen anderen Kommunen erkannt – eine zielgerichtete Sozialplanung nur auf Stadtteilebene sinnvoll ist. Zu groß sind die Unterschiede zwischen den Vierteln, in denen eine wohlhabende Bevölkerung lebt, und denen mit sozialen Problemlagen, zwischen peripheren Quartieren mit nur unzureichender Infrastruktur und Innenstadtbezirken.

Während sich die besser gestellten Einwohner „alles leisten können“, ist die Kommune in Vierteln mit besonderen Herausforderungen eher in der Pflicht, sozialplanerisch tätig zu werden. Zwei Instrumente, die sich als nützlich erwiesen haben, sind die Gründung von „Stadtteilkonferenzen“ und die Einrichtung von „Stadtteilbüros“.

1. Stadtteilkonferenzen, Sozialraumkonferenzen

Die „Stadtteilkonferenzen“ in Aachen sind ein Zusammenschluss aller in einem Sozialraum auf dem Gebiet der sozialen Arbeit tätigen professionellen und ehrenamtlichen Personen. Sie umfassen damit sowohl Mitarbeiter von Einrichtungen als auch im Viertel engagierte Einzelpersonen – unabhängig von ihrer Verbandszugehörigkeit und dem Institutionstyp, in dem sie tätig sind (Einrichtungen der Jugendarbeit, Schulen, Besuchsdienste, Seniorenvertreter, Begegnungsstätten, hauswirtschaftliche Dienst, pflegerische Einrichtungen etc.). Im Sinne eines basisorientierten, partizipativen Ansatzes werden sie als die Hauptakteure angesehen, die besser als jeder Externe (auch als die Planer der Verwaltung) die Ressourcen und Probleme vor Ort kennen und Bedarfe formulieren können. Die städtische Sozialplanung tritt einmal  als „Lieferant“ der Analysedaten und zum anderen als Motor und Moderator in der Gründungsphase der Stadtteilkonferenz auf, wird aber auch später immer eigene Ideen aus den eigenen Erfahrungen einbringen.

Die Aufgaben einer Stadtteilkonferenz können von einer Bestandserhebung (auch in Teilbereichen) bis hin zur Formulierung integrierter Maßnahmenpläne reichen. Wichtig sind das gegenseitige Kennenlernen und die Koordinierung der sozialen Arbeit vor Ort unter Berücksichtigung der lokalen Angebote und Rahmenbedingungen. So sind z.B. Begegnungsmöglichkeiten und Beratungsangebote aufeinander abzustimmen, die Vermittlung von sozialen Diensten sicherzustellen. Es ist nach Wegen zu suchen, finanzielle und personelle Mittel aus verschiedenen Einrichtungen bzw. Fachbereichen zu bündeln. Über die Stadtteilkonferenzen können die Fachplanungen vor Ort zusammengeführt werden. Zudem sind Personen und Einrichtungen der Sicherheit (z.B. Polizei, Ordnungsamt, Interventionsstelle) einzubinden.

Zur Gründung einer Stadtteilkonferenz kommt es, sobald aus dem Viertel der Wunsch nach Hilfestellung geäußert wird (Sozialplanung von unten nach oben!) oder aber Planungen von Seiten der Stadt vorgesehen sind, die von der Basis mit Inhalt zu füllen sind. Entscheidend ist hierbei, dass die Basis (und hierüber die für die Umsetzung verantwortlichen Träger) nicht nur angehört, sondern auch bei der Entscheidungsfindung eingebunden werden! Dies ist dann am ehesten auch gegenüber der Politik zu erreichen, wenn die Probleme klar formuliert und die vorgeschlagenen Lösungen stichhaltig und realisierbar sind.

Hilfreich ist es, die Stadtteilkonferenzen mit Finanzmitteln auszustatten, um kleinere Projekte in Eigenregie umsetzen zu können. Dadurch erfahren die Akteure vor Ort eine besondere Wertschätzung, was die Motivation, sich für das Quartier zu engagieren, erhöht.

Um den Arbeitsaufwand für die Mitglieder der Stadtteilkonferenz möglichst gering zu halten, ist für die Organisation der Sitzungen im Wechsel jeweils ein anderes professionelles Mitglied der Stadtteilkonferenz zuständig (Raum, Erstellung und Versand von Einladungen und Protokollen, Gesprächsführung). Gesprächsführung und Erstellung des Protokolls können/sollten aber auch von Ehrenamtlichen übernommen werden. Beim Versand der Protokolle ist darauf zu achten, dass auch den Leitungen/ Geschäftsführern der Träger (soweit nicht Mitglied in der AG) ein Exemplar zur Kenntnis zugesandt wird. So werden ein Informationsfluss von der Basis zur Entscheidungsebene garantiert und Rückmeldungen zur Basis möglich.

In Aachen bestehen derzeit in drei (der insgesamt 14) Sozialräumen Stadtteilkonferenzen, sowohl in der Innenstadt als auch in einigen Bezirken. In drei weiteren Vierteln gibt es „Örtliche Arbeitsgemeinschaften Altenarbeit“, in denen sich die Aktivitäten auf die Altenarbeit konzentrieren. Darüber hinaus hat es in drei Vierteln vorübergehend Stadtteilkonferenzen bzw. „Örtliche Arbeitsgemeinschaften Altenarbeit“ gegeben. Sie entstanden in Zusammenhang mit einem speziellen Problem und lösten sich wieder auf, sobald das Problem gelöst war. Ob eine Stadtteilkonferenz Bestand hat, hängt ausschließlich vom Willen und dem Engagement ihrer Mitglieder ab. Gegebenenfalls können sie zu einem konkreten Anlass wieder reaktiviert werden.

2. Stadtteilbüros

Stadtteilbüros bilden Kristallisationskerne der sozialen Arbeit im Viertel. Sie können als „Verortung“ des Quartiersmanagements angesehen werden. Neben dem „Raum“ für Begegnung, Fortbildung und Information ist hier die „Person“ des Ansprechpartners und Beraters von entscheidender Bedeutung, die einen sozialarbeiterischen Hintergrund haben sollte. In diesem Punkt unterscheidet sich das Stadtteilbüro von der Stadtteilkonferenz, die eher die institutionelle Arbeit im Fokus hat.

Stadtteilbüros sind wegen der Bereitstellung von Infrastruktur und Personal sehr viel kostenintensiver als der Zusammenschluss in Stadtteilkonferenzen. Besonders in Zeiten knapper Kassen sind deshalb kreative Ideen gefragt, wie ein Maximum an Leistung mit einem Minimum an zusätzlichem Mitteleinsatz erreicht werden kann. Insbesondere ist auf bestehende Ressourcen zurückzugreifen. Vielleicht lässt sich ein bisher auf nur eine bestimmte Zielgruppe ausgerichtetes Angebot mit geringem Mehraufwand (der ggf. aus einem anderen Ressort finanziert wird) auch auf andere Zielgruppen ausdehnen.

In Aachen gibt es zwei Stadtteilbüros, die im Rahmen des Projektes „Soziale Stadt“ eingerichtet wurden. Darüber hinaus bestehen Ansätze, Öffnungszeiten eines Stadtteilbüros durch Bündelung der Beratungstätigkeit verschiedener Einrichtungen in einer Lokalität auszudehnen. Weiterhin verstehen sich einige Bezirksämter als mögliche Standorte für ein Stadtteilbüro.

3. Aktuelle Initiativen zum Quartiersmanagement

Derzeit sind in Aachen drei weitere Stadtteilkonferenzen im Aufbau, die die Basis für ein Quartiersmanagement bilden sollen. Von besonderem Interesse ist dabei das Vorhaben im Preuswald, der nach den Ergebnissen des Sozialentwicklungsplanes der Stadt Aachen als ein problematisches Viertel identifiziert worden ist. Erste Gespräche haben von Seiten der Sozialverwaltung (FB 50) mit verschiedenen Akteuren vor Ort bereits stattgefunden. Noch vor den Sommerferien soll die Stadtteilkonferenz gegründet werden.

Diese Aktivitäten stehen in enger Kooperation mit dem Fachbereich Wohnen (FB 64), der die Federführung für die Durchführung einer Bürgerwerkstatt – ebenfalls im Preuswald  innehat.

Weitere Informationen

Dr. Gerrit Köster
fon: 0241/432 - 5617
gerrit.koester@mail.aachen.de