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Schuleinstieg nach Corona – Anregungen für
Lehrkräfte im Umgang mit SchülerInnen



 

Um die SchülerInnen nach der Rückkehr in den Schulalltag bestmöglich unterstützen zu können, bieten sich Ihnen als Lehrkräfte vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten. Im Folgenden finden Sie Anregungen, die Sie, gerne auch im Austausch mit KollegInnen, ergänzen können.


Struktur und Verlässlichkeit im Schulalltag
Kein Wecker, kein Elternteil, der einen weckt - zu unterschiedlichen Zeiten aufstehen und ins Bett gehen - Langeweile in der kleinen Wohnung - Schulaufgaben zu unterschiedlichen Zeiten bearbeiten…  Für viele SchülerInnen bedeutet, nicht die Schule zu besuchen, auch weniger Struktur ausgesetzt zu sein. Einigen SchülerInnen könnte es schwerfallen, in den strukturierten Schulalltag zurückzukommen, was sich z.B. im Umgang untereinander, in der Bereitschaft mitzuarbeiten oder sich an Regeln zu halten, zeigen könnte. Andere SchülerInnen dagegen könnten Struktur und Beschäftigung regelrecht einfordern, sie möchten lernen und arbeiten aktiv und freiwillig mit.

Stellen Sie sich als Lehrkraft darauf ein, möglicherweise unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden zu müssen. SchülerInnen, denen das Bearbeiten von Aufgaben zu Beginn noch schwerfällt, könnten z.B. kreative Aufgaben oder die Entscheidung, ob sie lieber Deutsch oder Mathe machen möchten, angeboten werden.

Für alle Kinder und Jugendlichen gilt jedoch: klare Regeln des Miteinanders in der Klasse, Strukturen und Rituale sollten bestehen, ggf. aufgefrischt und erneut eingeübt werden. Denn: Struktur und Transparenz schafft Sicherheit!


Sich als Gruppe wiederfinden
Zurück in eine Gruppe zu kommen, die sich nun eine lange Zeit nicht gesehen hat, erfordert möglicherweise Aktivität von Seiten der Lehrkräfte. Zunächst sollte das Zusammenkommen als Gruppe, der Austausch und das Zuhören untereinander und das Stellen von Fragen im Vordergrund stehen. Vor allem gruppenstärkende Spiele fördern jetzt in allen Klassenstufen das Gemeinschaftsgefühl, und machen darüber hinaus Ihnen und Ihren SchülerInnen viel Spaß.

Nehmen Sie sich als Lehrkraft zudem ausreichend Zeit, Ihren SchülerInnen zuzuhören, Interesse für ihre Gefühle zu zeigen und lassen Sie sie wissen, dass Sie sich um ihr Wohlergehen sorgen. Sie als Modell fördern damit ebenfalls ein rücksichtsvolles und fürsorgliches Miteinander.


Das erste Zusammenkommen im Klassengespräch
Nach so einer langen Zeit ohne die Menschen, die man zuvor jeden Tag getroffen hat, gibt es sicherlich viel zu berichten. Vermutlich wird es auch SchülerInnen geben, die die Situation rund um das Corona-Virus beunruhigen, die sich Sorgen um Familienmitglieder machen oder sogar Ängste entwickelt haben, selbst zu erkranken. In einem Klassengespräch können diese Gedanken und Gefühle besprochen werden. Hierzu einige Hinweise:

  • Aufklärung: machen Sie Ihren SchülerInnen deutlich, dass Ängste und Sorgen normal sind. Seien Sie authentisch und berichten auch von eigenen Sorgen. Dies kann Ihre Schüler entlasten.

  • Sprechen kann helfen, aber freiwillig: wer sich nicht äußern möchte, sollte nicht zum Sprechen gedrängt werden.

  • Wissen vermitteln: thematisieren Sie Grundlagen bzgl. des Corona-Virus‘, beantworten die Fragen nach Ihren Möglichkeiten; spekulieren Sie jedoch nicht und geben nur gesicherte Informationen weiter.

  • Belastungen verarbeiten: überlassen Sie es Ihren SchülerInnen, mit welchen Methoden sie ihren Gedanken und Gefühlen begegnen wollten (z.B. Malen, Briefe schreiben).

  • Handeln hilft: beugen Sie Gefühlen von Hilflosigkeit vor und machen Sie deutlich, dass jeder etwas tun kann; suchen Sie gemeinsam nach praktischen Ideen, was alle für eine gesunde Schule tun können (Selbstwirksamkeit fördern!).

  • Ressourcen der Schule nutzen: bieten Sie Ihren SchülerInnen an, auch über die Klassengespräche hinaus für vertrauliche Gespräche ansprechbar zu sein und/oder verweisen Sie auf SchulsozialarbeiterInnen sowie BeratungslehrerInnen.


Für die Kinder, hinter denen eine schwierige Zeit im Elternhaus liegt…

In vielen Familien wurde es die letzten Wochen sehr eng und da ist es auch verständlich, wenn es unter allen Familienmitgliedern nicht immer harmonisch zuging. Unter diesen Umständen muss auch mit einem Anstieg an häuslicher Gewalt gerechnet werden. Seien Sie achtsam und beobachten Ihre SchülerInnen beim Wiedereintreffen in die Schule gut. Sprechen Sie Kinder und Jugendliche an, wenn Ihnen etwas auffällt und zeigen ihnen, dass Sie sich kümmern. Sollten Sie in Gedanken an einen Schüler oder eine Schülerin bereits ein ungutes Gefühl haben und sich unsicher sein, wie sich die Situation zu Hause derzeit gestaltet, nehmen Sie unverbindlich Kontakt zu den Eltern oder zu den SchülerInnen auf (telefonisch, per eMail oder per Brief). Vielleicht können Sie die Familien dabei auch auf Unterstützungssysteme wie Beratungsstellen oder das Jugendamt hinweisen.


Von Todesfällen betroffene Kinder
Da es mittlerweile auch in der StädteRegion Aachen leider einige Todesfälle gegeben hat, sollten Sie auch berücksichtigen, dass hier Ihre SchülerInnen betroffen sein könnten (z.B. verstorbene Großeltern). Sollten Ihnen betroffene SchülerInnen bekannt sein, nehmen Sie sich vorab in einem Gespräch die Zeit zu erfahren, wie es dem Schüler oder der Schülerin geht und was er oder sie benötigt. Wenn Sie so einen Umstand jedoch selbst erst im Klassengespräch erfahren oder Sie planen, der restlichen Klasse davon zu berichten, beachten Sie, dass auch andere SchülerInnen stark darauf reagieren könnten (alle Reaktionen sind möglich!). Bedenken Sie in so einem Fall also auch SchülerInnen, bei denen es in vergangener Zeit Todesfälle gab oder es erkrankte Familienmitglieder gibt. Weiterführende Hinweise zum Umgang mit Tod und Trauer finden Sie auch im Notfallordner Ihrer Schule.

 

Selbstverständlich stehen wir Ihnen auch in dieser Zeit weiterhin für Fragen und Beratung zur Verfügung! Unsere Kontaktdaten finden Sie hier.