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Aachener Thermalquellen



 
Elisenbrunnen

Wer heute in der Aachener Innenstadt am Elisenbrunnen auf den Bus wartet, weiß nicht unbedingt, dass der Trinkbrunnen hinter ihm aus den zeitweise berühmtesten Quellen Europas gespeist wird: Für den Chemiker Justus von Liebig (1803-1873) hatten die Aachen-Burtscheider Thermalquellen „...den ersten Rang unter allen Mineralquellen Europas...“. Die Stadt Aachen verdankt den heißen Quellen ihre Existenz. Über Jahrhunderte haben sie die Geschichte Aachens bestimmt. Seit keltischer Zeit zieht es Menschen aus ganz Europa zu ihnen hin. Die natürliche, reine Kraft, große Hitze und besondere chemische Zusammensetzung der Quellen galt früher nicht nur als heilend, sondern als heilig, Gottheiten wurden an ihrer Stelle verehrt. Die Nutzung des heißen, heilenden Wassers hat Bauwerke entstehen lassen und die Ausbildung ganzer Industriezweige begünstigt (z.B. Tuchindustrie, Bäderwesen, Mineralwassererzeugung, Fremdenverkehr).

Im Bewusstsein der Aachener Bevölkerung existieren die heißen Quellen jedoch eher als abstrakte Vorstellung. Die meisten der Quellaustritte sind überbaut und zugedeckt, in Hinterhöfen oder unter Kanaldeckeln versteckt. Die ursprüngliche Kraft der heißen Wasserquellen ist wenig sinnlich spürbar. Ihr Wasser ist zwar in den Thermalbädern und einigen Brunnen sichtbar, aber es ist hier schon stark verändert und der Bezug zum Ursprung, zur Quelle, ist kaum noch gegeben.

Bürgerstiftung Lebensraum Aachen            Thermalwasserroute

Die Bürgerstiftung Lebensraum Aachen möchte die Bedeutung der Aachener Thermalquellen wieder bewusst machen. Es soll eine „Thermalwasserroute“ für Aachen entstehen: An verschiedenen Stationen in der Aachener Innenstadt und in Burtscheid sollen die Thermalquellen - wo es möglich ist - gekennzeichnet, durch anschauliche Informationen erklärt und durch verschiedene Maßnahmen wieder erlebbar werden.

Die Thermalwasserroute Aachen wurde von einer Gruppe fachkompetenter Bürger, die in Ingenieurbüros und in der Stadtverwaltung arbeiten, initiiert und konzipiert. Das Konzept soll in den folgenden Jahren Zug um Zug umgesetzt und weiter ausgebaut werden. Neben einer Karte der Thermalwasserroute mit Kreuzungspunkten zur „Route Charlemagne“ (EuRegionale 2008) sollen Materialien zur Gesamtroute sowie zu einzelnen Stationen zusammengetragen und anschaulich dargestellt werden. Stationen der Thermalwasserroute erkennt man am Logo des Projekts. Straßennamen mit Bezug zu den Thermalquellen werden durch Zusatzschilder erläutert. So werden die nach und nach aufgebauten „Stationen“ an den Thermalquellen, ehemaligen Bädern, heutigen Nutzungen und die verschiedenen Erlebnis- und Infopunkte zur Thermalwasserroute ergänzt. Einzelne Objekte können von ortsansässigen Personen, von Schulen, Firmen, Büros oder Geschäften in Form einer qualifizierten Patenschaft übernommen werden. Detailplanung, Umsetzung und Betreuung werden von den Paten gewährleistet. Die zu verrichtenden Arbeiten liegen im gemeinnützigen Bereich.

Geöffneter Quellschacht der Thermalquelle Pockenpützchen  im Frankenberger Viertel, (c) Projektgruppe Thermalwasserroute AachenDie Aachener und Burtscheider Thermalquellen sind die heißesten Quellen Mitteleuropas, da ihr Wasser besonders tief aus der Erde (ca. 3.000 m) seinen Weg an die Oberfläche findet. Aus zwei Kalksteinzügen unter der Aachener Innenstadt und unter Burtscheid tritt es aus Spalten des Kalkgesteins hervor, das im Lauf von Millionen Jahren aufgefaltet und bis dicht unter die Erdoberfläche geschoben worden ist. Auf seinem Weg durch das Gestein hat das Grundwasser jede Menge Mineralien aus Boden und Gestein gelöst und sich auf bis zu 130°C erwärmt. An der Erdoberfläche hat es noch z.T. über 70°C. Der gesamte Prozess vom Einsickern des Regenwassers bis zum Austreten der Quellen dauert viele Jahre. Weil Aachen tiefer liegt als das Entstehungsgebiet des Thermalwassers südlich der Stadt (Hohes Venn, Eifel), tritt das heiße Grundwasser selbsttätig zu Tage (artesische Quellen) und muss nicht aus der Tiefe gepumpt werden.

Das Aachen-Burtscheider Thermalwasser weist wegen der langen Verweildauer im Untergrund und der hohen Temperatur im Vergleich zu anderen Thermalwässern eine sehr hohe Konzentration an Mineralien auf - eine Erklärung für seinen therapeutischen Effekt. Hauptbestandteile sind Kochsalz, Hydrogencarbonat, Sulfat, Kalium und Calcium.
Die aufsteigenden Bläschen im Wasser stammen von Kohlensäuregas. Kleinere Mengen an Schwefelwasserstoff und Sulfiden sorgen für den charakteristischen Geruch („faule Eier“). Die Quellen in Burtscheid sind heißer als die Quellen der Aachener Innenstadt, so dass sich Schwefelwasserstoff nicht bilden kann, weshalb den Burtscheider Quellen der „Duft nach faulen Eiern“ fehlt. Die Thermalquellen sind sowohl in Aachen als auch in Burtscheid wie an einer Perlenschnur aufgereiht („Aachener und Burtscheider Quellenzug“). Im Aachener Quellenzug ist die Zahl der Quellen geringer.

Weitere Informationen
Bürgerstiftung Lebensraum Aachen
Website des Thermalquellen-Projekts