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Grüner Spaziergang durch Aachen

Gehen ist GesundFür den Weg wurde bewusst nicht eine Route am Stadtrand gewählt, sondern eine, die das Herz der Stadt berührt. Dabei profitiert die gewählte Route davon, dass der Landschaftspark Lousberg unmittelbar an die Innenstadt grenzt. Der Weg ist auch in Etappen möglich. Vom Westpark bis zur Eilfschornsteinstraße benötigt man 15 bis 20 Minuten. Von dort mit der kurzen Lousberg-Überquerung dauert es rund eine halbe Stunde bis zur Haltestelle "Kloster" in der Soers. Mit einem ausgiebigeren Lousbergbesuch nochmal 20 bis 30 Minuten mehr.

Vom Westpark …

Westpark (c) stadt aachenVon der Haltestelle Gartenstraße kommt man durch einen kleinen Fußweg neben Haus Nr. 92 in den Westpark. Er ist der Garten der Weststadt. Die Nähe der TH spürt man an den vielen jungen Leuten, die dort ihren sportlichen Aktivitäten nachgehen. Um 1885 wurde er von einem Verschönerungsverein mit Unterstützung des Textilfabrikanten Lochner angelegt. Er bildete den Ersatz für den prachtvollen englischen Garten an der Lochnervilla zwischen Lochnerstraße und Karlsgraben, der Lochners Expansionsbauten weichen musste. Vom Zoo mit den 50 Riesenschlangen im Westpark ist nichts übrig, der Weiher aber ist geblieben.

durch die Lochnerstraße ...

Geht man heute durch die Lochnerstraße, fällt es schwer einen Nachhall des Lebens zu spüren, das zur Barockzeit hier geführt wurde. Damals, als Garten und Haus noch dem niederländischen General Berghe von Trips gehörten, sollen sich hier die Kurgäste aus Europas Haute Volée vergnügt haben. Ein Reststück ist noch vorhanden: das Tor zum Garten, um die Ecke im Karlsgraben Nr. 55, durch das einst auch Napoleon ging.

… zum Deliusviertel

DeliusviertelVorher biegen wir aber schon direkt hinter der Eisenbahn nach rechts in die Mauerstraße ein. Die Fabrikgebäude beherbergten bis zur Pleite in der Weltwirtschaftskrise 1932 Aachens größte Textilfabrik C. Delius mit bis zu 1000 Beschäftigten. Nach dem 2. Weltkrieg wurden dort kräftigende Speisen wie Suppen und später Schokolade produziert, bis die Gebäude um 1980 herum abgerissen werden sollten. Doch Architekturstudenten und Fakultät setzten sich für den Erhalt ein - am Ende mit guten Erfolg wie man heute in dem sehr angenehmen innerstädtischen Wohnquartier sehen kann.

Bäche: Wieder sichtbar und spürbar

Ehemaliger Klosterather HofWir überqueren den Grabenring und gehen durch die Johanniterstraße hinab zum Lindenplatz. Hier sehen wir ein wenig des Elementes, dem Aachen seine Gründung und seinen Namen verdankt: das Wasser. Johannisbach, Augustinerbach, Annuntiatenbach, das sind alles ein und derselbe Bach, jeweils benannt nach den Klöstern, die dort lagen. Doch schon bald kamen zu den Klöstern Tuchfabriken, Färbereien und am Lindenplatz der Schlachthof hinzu. Alle nutzten sie das Bachwasser. Das Viertel wurde so dicht besiedelt, das Wasser so über die Maßen beansprucht und verschmutzt, dass bei der armen Bevölkerung, die hier früher wohnte, immer zuerst Krankheiten, Epidemien und Seuchen ausbrachen. Mit dieser schädlichen Fracht hat heute das zur Erinnerung und zum Vergnügen - vor allem der Kinder - 1999 freigelegte Bächlein aber nichts zu tun. Der Bach kam übrigens als Projekt der "Ökologischen Stadt der Zukunft" an die Oberfläche.

High-Tech über alten Gärten

Spuren der sich überlagernden Schichten der Aachener Stadtentwicklung findet man auch im Weitergehen. Wir biegen nach links ab in die Eilfschornsteinstraße. Auf der linken Straßenseite steht inmitten der funktionalen Architektur der RWTH ein prächtiges Tor. Es gehörte zum Kirch- oder Klosterrather Hof, der hier lange bevor das Kármán Auditorium der TH errichtet wurde, lag. Wir aber biegen rechts ins TH-Gelände ab. Längs eines Parkplatzes laufen wir an einem von alten Bäumen umstandenen Rasenkarrée vorbei auf die Kirche St. Theresia zu. Die Kirche war Teil eines Klosters und die unverhofft vorgefundenen Fragmente eines Gartens gehen auf den Kreuzgang des hier früher gelegenen Karmeliterinnen-Klosters zurück. An der Gestaltung der Kirche wirkten gleich zwei der vier großen Aachener Architekten des Barock und Klassizismus mit: Laurenz Mefferdatis entwarf die Hülle und Johann Josef Couven das noble Innere. Die Pontstraße links hinauf sehen wir …

... die Barbarossamauer

SchwertlilienSie verschwindet fast im Grün, das manche Überraschung bietet. Der in Aachen verwendete Kalkmörtel ist bei Pflanzen offensichtlich beliebt. Im Mai kann man prächtig wachsende Schwertlilien auf der Mauer entdecken. Wir folgen der Pontstraße stadtauswärts auf das barocke Pfarrhaus der Heiligkreuzgemeinde zu, wo wir den Pontdriesch überqueren. Durch die Kreuzherrenstraße kommen wir zu ...

... Veltman-Park und Wallpromenaden

Napoleon hatte - wie es scheint - eine Schwäche für Aachen, die von Seiten der Bürger nicht ganz unerwidert war. Aachen sollte als Regionalhauptstadt und "bonne ville de France" zu einer Perle des nachrevolutionären französischen Reiches herausgeputzt werden. So stellte er eine Anschubfinanzierung zur Stadtbegrünung in Höhe von 150.000 Francs zur Verfügung. 1804 war das eine immense Summe, mit der die Stadtmauern am äußeren Grabenring geschleift und durch einen Promenadenring ersetzt wurden. Zwischen 1806 und 1808 gestaltete der Düsseldorfer Hofgärtner Maximilian Friedrich Weyhe zunächst den Kaiserplatz bis zum Kölntor (heute Hansemannplatz), später die Wallanlagen zwischen Bastei und Ponttor. Um 1830 war die Altstadt entlang des äußeren Grabenrings von einem geschlossenen Grüngürtel mit Wasserflächen umgeben. Im Jahr 1903 wurde der Aufgangsbereich zum Lousberg von Carl Heicke neu gestaltet und um den Park Veltmanplatz erweitert. Er bereitet uns auf den Lousberg vor. Wir steigen hoch, am Denkmal vorbei und überqueren die Ludwigsallee, um in die Kupferstraße und dann links in die Theresienstraße zu kommen.

Lousberg mit Kersten-Pavillon

Noch vor 200 Jahren wären wir auf einen kahlen Berg, gerade mal gut genug, um darauf Schafe zu weiden, gestiegen. Dass wir statt dessen - rechts von der Kersten-PavillonTheresienstraße in die Weyhestraße abgebogen - über die Stufen in einen Wald-Landschaftspark eintreten, verdanken wir dem von 1807 an hier tätigen Komitee für die "embellissements" der Stadt. So entstand der erste von Bürgern und nicht von Fürsten gestaltete öffentliche Park in Europa - eine revolutionäre Tat.

Am Ende unseres Aufstieges empfängt uns rechter Hand ein bezauberndes, barockes Solitärgebäude: der Kersten-Pavillon. Aber der charmante Couven-Bau ist fast 100 Jahre älter als der Lousbergpark. Des Rätsels Lösung: Er ist eines der ersten Beispiele der Aachener Spezialität, Gebäude umzupflanzen. Erbaut wurde der Pavillon auf dem Grundstück Annuntiatenbach 22-28. Dort war er Teil des Stadtpalais von Nicolaus Mantels, eines wohlhabenden Färbermeisters. Um ihn zu retten, kaufte ihn die Stadt und ließ ihn 1906 auf dem Lousberg wieder neu errichten.

Für den weiteren Weg gibt es Varianten: wer mag, kann den verschlungenen Wegen um den Lousberg folgen. Kürzer geht es zwischen den Säulen der "Aachener Akropolis" (den Relikten des im zweiten Weltkrieg zerstörten Gesellschaftshauses Belvedere) hindurch und dann hinab zur Buchenallee, der wir ein langes Stück folgen. In der Kurve zweigt ein Pfad steil bergabwärts in den ...

... Park St. Raphael (Gut Müsch)

MueschparkAuch er stammt aus Aachens französischer Zeit. Wilhelm Körfgen, der Generalsekretär des französischen Präfekten, offenbar der "Motor" der Verschönerungsaktion am Lousberg, verwirklichte hier als Privatmann seine Gartenliebhaberei. Auf dem säkularisierten Gelände eines Kloster-Gutes ließ er ein Sommerhaus mit Freigelände im Stil einer "ferme ornée" gestalten. Die Verschmelzung von Landwirtschaft und Landschaftsgarten ist noch immer gegenwärtig, auch wenn sich das Gelände längst wieder in kirchlicher Hand befindet. Der idyllische Park mit den Nutztieren gehört zu Altersheim und Kloster St.Raphael. Der Orden "Töchter vom Heiligen Kreuz" erwarb 1929 das Gut, um zu verhindern, dass der Park Zwecken zugeführt würde, die den Betreuungsauftrag des Klosters beeinträchtigt hätten.

Der Lousberg - Europas ältester bürgerlicher Landschaftspark

Fast 200 Jahre sind vergangen seit die Verschönerungskommission die ersten Bäume gepflanzt hat. 1807 wurde der Obelisk errichtet, der an die Vermessung der Rheinlande 1801 bis 1814 durch Jean Joseph Tranchot erinnert. 1815 legte Maximilian Friedrich Weyhe, ein Cousin von Peter Josef Lenné, dem kongenialen Partner Schinkels, seine Pläne für die weitere Gestaltung des Lousbergs vor. Sein Entwurf folgte gleichsam einem imaginären Spaziergang. In einer "dramatischen Choreografie" führte er an immer wieder neuen überraschenden Elementen wie dem Rondell mit der Tempelruine, dem Chinesischen Pavillon, dem Eichenwäldchen oder der Buchenallee vorbei zum Höhepunkt der Anlage, dem Obelisken und dem Monopteros. Genauso wichtig wie die Elemente des Parkes nahm Weyhe die Sichtachsen auf die Stadt und in die freie Landschaft hinaus.

Heute müssen wir bei allem gebliebenen Charme des gealterten Lousbergs mit seinen 6200 Bäumen auch Verluste verkraften. Vom chinesischen Pavillon keine Spur mehr, der Monopteros (1813-16) als Aussichtsturm im letzten Krieg zerstört, die Buchenallee in den letzten beiden Jahrzehnten wegen Altersschwäche und Pilzbefall stark dezimiert.

Doch es gibt Hoffnung: Seit 1995 ist der Lousberg zusammen mit dem Salvatorberg als Gartendenkmal eingetragen. Drei Sichtachsen wurden wieder freigeschnitten. Seit 2007 ist er Routengarten im Europäischen Gartennetzwerk European Garden Heritage Network.

Mehr Infos zum Lousberg:
www.lousberg-gesellschaft.de
www.eghn.org

Die Wegbeschreibung im Überblick

WegbeschreibungpfeilZum Vergrößern bitte anklicken!

Tipp: Auch einige der oben gezeigten Bilder lassen sich per Klick vergrößern.

Die gesamte Wegbeschreibung ist unter dem Motto "Gehen ist gesund" auch als Faltblatt erschienen, das an öffentlichen Stellen der Stadtverwaltung ausliegt.

Infos:
Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen der Stadt Aachen